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Medizin im ständigen Wandel

Blickt man nur die letzten 40 Jahre zurück, ist man über die gewaltigen Veränderungen in der Medizin erstaunt. Krankheiten, die früher relativ häufig vorkamen, scheinen heute fast vollkommen verschwunden zu sein (z.B. Magenkarzinom, Pocken, Kawasaki-Syndrom). Dass einige dieser Krankheiten verschwunden sind bzw. in die Bedeutungslosigkeit versunken sind ist unter anderem dem Fortschritt medizinischer Erkenntnisse und den verbesserten Therapien und Therapieempfehlungen zu verdanken.

Andererseits werden wir heute mit Krankheiten konfrontiert, die vor 40 Jahren noch gar nicht bekannt waren bzw. denen man wenig Beachtung schenkte (z.B. Borreliose, Burn-out-Syndrom, ISG-Blockade, HIV-Infektionen).

Nicht nur die Häufigkeit des Auftretens verschiedener Erkrankungen, sondern auch die Therapien und die therapeutischen Empfehlungen haben sich in den letzten vier Jahrzehnten vollkommen verändert. Während die ärztliche Erfahrung früher bei der Behandlung eines Patienten einen hohen Stellenwert hatte, zählt heute fast ausschließlich nur noch evidenzbasierte und Leitlinien-getreue Medizin.

Die „evidenzbasierte Medizin“ verändert die Therapie nicht immer zum Vorteil

Eine der Grundpfeiler der evidenzbasierten Medizin sind die randomisierten plazebokontrollierten Doppelblindstudien.

Diese randomisierten Studien sind immens teuer. Laut eines Artikels aus dem Deutschen Ärzteblatt (Heft 33; Jg.100 vom 15.8.03) mit dem Thema „Evidenzbasierte Medizin – Konkurs der ärztlichen Urteilskraft?“ belaufen sich die Kosten bei diesen Studien pro Patient auf schätzungsweise 5.000 – bis 10.000 € und liegen somit für eine komplette Studie oft im zweistelligen Millionenbereich!

Therapien, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, gelten derzeit als nicht evidenzbasiert und werden daher als untauglich von der universitären Medizin abgelehnt und auch nicht von den Krankenkassen übernommen.

Aufgrund der immensen Kosten und nur geringer staatlicher oder gemeinnütziger Förderung profitieren von dieser evidenzbasierten Medizin nur die großen Pharmaunternehmen mit hohen Umsatzzahlen bzw. hohen Gewinnen. Mittlere und kleinere Firmen können diese Summen nicht aufbringen und gehören somit zu den Verlierern dieses „evidenzbasierten Biotops“, d.h. deren Produkte wurden und werden nach und nach vom Markt genommen, da sie nach den derzeit geforderten Kriterien nicht die Wirksamkeit nachweisen können. Dass frühere Studien die Wirksamkeit belegten und sich diese Therapien auch in der Vergangenheit bewährt haben, wird hierbei nicht berücksichtigt. Ebenso wenig wird beachtet, dass das Fehlen einer randomisiert kontrollierten Studie nach den o.g. Kriterien nicht als Nachweis für die Unwirksamkeit einer Therapie gewertet werden darf. Wenn man beispielsweise 10 Personen Zyankalie in höheren Dosen verabreicht und alle Probanden sterben, so wird kein vernünftig denkender Mensch die tödliche Wirkung von Zynkalie bezweifeln, nur weil hierzu keine randomisiert plazebokontrollierte Doppelblindstudie vorliegt.

Es darf nicht passierten, dass die ärztliche Urteilskraft durch Einzelfallbeobach-tungen oder durch Beobachtungen an einer Kohorte (= wiederholte Beobachtungen an vielen Patienten) oder die gleiche Beobachtung von verschiedenen Ärzten an unterschiedlichen Patienten bei der selben Therapie aufgrund der alleinigen Akzeptanz von Ergebnissen randomisierter plazebokontrollierter Doppelblindstudien vollkommen außer Kraft gesetzt wird. Schließlich müsste noch immer gelten: „Wer heilt, hat Recht.“

Medizinische Leitlinien sind lediglich als Entscheidungshilfen zu werten.

„Während früher das Lehrbuch oder die Meinung des Chefarztes oder auch die eigene Erfahrung maßgeblich für Diagnostik und Therapie verantwortlich waren, traten seit den 90er Jahren systematisch entwickelte Leitlinien in den Vordergrund, die eine Entscheidungshilfe für den behandelnden Arzt darstellen sollten.“ (KVH aktuell; Nr. 1/2014: „Medizinische Leitlinien – eine kritische Würdigung“)

Leitlinien werden heute von vielen Fachgesellschaften herausgegeben und sind im ärztlichen Alltag ein wichtiges Hilfsmittel bei Diagnostik und Therapie. Sie sind aber nur ein Hilfsmittel und mehr nicht! Und sie sollten auch nicht mehr als nur ein Hilfsmittel bei der ärztlichen Entscheidung darstellen. Leider werden sie von vielen Ärzten, von den Krankenkassen, vom Gesetzgeber und von der Rechtsprechung als ein dogmatisches Muss ausgelegt. Diese Einstellung steht jedoch im krassen Gegensatz zu einer individualisierten und patientenorientierten Medizin. Es war auch nie beabsichtigt gewesen, dass LEITLINIEN die individuelle Erfahrung und Urteilskraft des Arztes ersetzen sollten.

Da jedoch Leitlinien derzeit einen großen Stellenwert bei der Entscheidung für eine Untersuchung oder eine Therapie einnehmen, beobachtet man mehr und mehr die Tendenz, dass die Pharmaindustrie Einfluss auf die Gestaltung von Leitlinien nimmt. Dies eskalierte u.a. in einem Streit über die neuen Leitlinien von der American College of Cardiology und der American Heart Association zum Einsatz von Statinen, in dem sich Fiona Godlee folgendermaßen äußerte: „Können wir in den gesamten Vereinigten Staaten keine 15 Experten mehr finden, die keine finanziellen Verbindungen zur Industrie haben?“ (Deutsches Ärzteblatt Heft 50 vom 13.12.2013 mit dem Thema „Kurswechsel löst heftigen Streit aus“)

Die dogmatische Anwendung einer ausschließlich Leitlinien getreuen Medizin und der alleinigen Akzeptanz von Therapien, die nur durch extrem konstenintensive randomisierte plazebokontrollierte Doppelblindstudien belegt wurden, begünstigen die Gefahr einer kommerzbasierten Medizin und wären gleichzeitig das Ende einer individualisierten Medizin.

Mehr Toleranz miteinander zum Wohle unserer Patienten

Es ist erschreckend zu sehen, mit welcher Heftigkeit insbesondere „Schulmediziner“ gelegentlich andere Therapiekonzepte attackieren. Nach dem Motto „Was ich nicht verstehe und nicht meiner Vorstellungskraft entspricht, ist alles vollkommen unwissenschaftlich und Humbug.“ Man kann solchen Verfechtern der sogenannten „Schulmedizin“ nur dringend raten, sich ein Beispiel von anderen wissenschaftlichen Fakultäten zu nehmen. Schauen wir uns einmal die Astrophysik an. Obwohl „Dunkle Energie“ naturwissenschaftlich derzeit nicht erklärt werden kann und auch unsere Vorstellungskraft vollkommen überfordert, sind sich die Physiker darin einig, dass unser Universum nur zu 4% aus der uns bekannten Materie besteht, aber zu ca. 73% aus „Dunkler Energie“.

Untersuchungsmethoden und Therapien abzulehnen, nur weil diese nicht an der Universität gelehrt werden und hierfür keine evidenzbasierte Studien vorliegen und sie somit auch nicht in den Leitlinien erwähnt werden, sind traurige Beispiele für die Intoleranz in der Medizin. Zu solchen komplementären Methoden zählen nicht nur Bioresonanztherapie, Orthomolekulare Medizin, Osteopathie, Chelat-Therapie, Thymus-Therapie und viele andere Verfahren. Selbst die Homöopathie wird heftig von der Humanmedizin der Universität Marburg als Irrlehre attackiert, obwohl Homöopathie bei allen Landesärztekammern Deutschlands als Gebietsbezeichnung offiziell erworben werden kann.

Typisches Beispiel der Verunglimpfung einer komplementären Behandlungsmethode ist die Bioresonanztherapie. Als Beweis für deren angebliche Unwirksamkeit werden von Zeit zur Zeit Artikel im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht, in denen immer auf 2 Studien hingewiesen wird. Schaut man sich diese beiden Studien aber einmal genauer an, so erkennt man bereits aus dem Studiendesign, dass man von Anfang an nur einen Beleg für die Unwirksamkeit dieser Methode gesucht hat und nicht für deren Wirksamkeit. Dabei haben zahlreiche Patienten die Wirkung von der Bioresonanztherapie am eigenen Leib erfahren und wurden von Beschwerden befreit, bei denen die sogenannte „Schulmedizin“ zuvor keinen Erfolg hatte.